Das noch nicht in allen Staaten bekannte »Kirchenasyl« ist die zeitlich befristete Aufnahme von Flüchtlingen ohne legalen Aufenthaltsstatus in Kirchengemeinden. Staatliche Stellen werden darüber informiert. Den Betroffenen droht bei Abschiebung in ihr Herkunftsland Folter und Tod oder im Drittland prekäre Notlagen und Gefahren für die Freiheit. Sie finden in den Räumen einer Kirche Zuflucht, um eine akut mögliche Abschiebung zu verhindern. Während des »Kirchenasyls« werden alle in Betracht zu ziehenden rechtlichen, sozialen und humanitären Gesichtspunkte geprüft. In vielen Fällen gelingt es nachzuweisen, dass Entscheidungen von Behörden überprüfungsbedürftig sind und ein neues Asylverfahren erfolgversprechend ist.

Inzwischen gibt es auch bei Rückschiebungen nach der Dublin-Verordnung „Kirchenasyle“, wenn die sozialen und rechtlichen Bedingungen im zuständigen Dublin-Staat nicht hinnehmbar sind. Ziel ist dann, die formalen Fristen zu überbrücken, bis der Staat, in dem das „Kirchenasyl“ stattfindet, zuständig wird.

Das geplante Netzwerk wird den Austausch und die Kooperation von Kirchengemeinden ermöglichen, die sich mit dem Thema „Kirchenasyl“ befassen möchten oder schon Erfahrungen damit haben. In den Ländern im Ostseeraum gehen Politik und Polizei unterschiedlich mit „Kirchenasylen“ um. In Schweden z. B. werden Kirchenräume durch die Polizei betreten, um eine Abschiebung durchzuführen. In Deutschland ist dies i. d. R. nicht vorgekommen.

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